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Dogs
1999 - heute
Die Künstlerin
Nicole Blaffert fotografiert Hunde, die vor Läden warten, auf
der Straße stehen, angebunden wurden oder manchmal auf dem
Schoß ihrer Halter sitzen. Aber nie sieht man auf ihren Aufnahmen
die Tiere mit ihren Besitzern oder anderen Menschen. Die Fotografin
begegnet den Hunden zufällig, beim Einkaufen, auf der Straße.
Es geht ihr dabei nicht um einen persönlichen Kontakt mit den
ausharrenden Tieren oder um Empathie. Was aus diesen Situationen
entsteht sind Schnappschüsse, Aufnahmen im Vorübergehen.
Sie halten Momente fest, die nichts Ereignisreiches haben, die das
Warten festhalten. So entstanden in den letzten zehn Jahren rund
1.000 Aufnahmen, die mit einer Kleinbildkamera aufgenommen wurden.
Die Aufnahmen entstanden in so unterschiedlichen Städten wie
Karlsruhe, Osnabrück, Venedig und London. An Orten, die Nicole
Blaffert bereiste oder an denen sie eine Weile lebte. Eine Zuordnung
aber, wo die Bilder entstanden sind, ist nicht oder nur schwer möglich
und auch nicht von der Künstlerin intendiert. Es sind Portraits
von Wesen, denen wir so viel Menschliches zuschreiben, festgehalten
in Momenten der Nicht-Wahrnehmung. Portraits von Wesen, die im Gegensatz
zu uns Menschen, nie posieren. Die Hunde nehmen das Abgelichtetwerden
hin wie das Warten, den Ort und vielleicht die Ungewissheit. Das
Kameraauge ist für sie nur ein weiteres, unwichtiges Detail
dieses Augenblicks.
Nicole Blaffert erfasst die Hunde meist auf Augenhöhe, mit
einem direkten Blick. Auch wird in einigen Fällen Blitzlicht
für die Aufnahmen eingesetzt. Der so entstandene Schärfeabfall
der Umgebung leitet den Blick des Betrachters noch einmal stärker
hin zum Eigentlichen, dem Hund. Manchmal kann es auch sein, dass
das Bild insgesamt eine Unschärfe aufweist. Dies betont den
Augenblick, in den Flüchtigkeit, aber auch das Heimliche und
die Intimität einer zufälligen Begegnung hineinspielen.
Immer auf dem Horizont seines Blicks wird unser Blick zudem in jene
Zonen gelenkt, die wir im Vorbeilaufen nicht wahrnehmen, da wir
die Welt normalerweise aus einer anderen, höheren Perspektive
betrachten.
Mit ihren Hundefotografien möchte Nicole Blaffert den Betrachter
weder irritieren noch überwältigen, sondern den alltäglichen
Augenblick dokumentieren, ihn festhalten. Ihre Sammlung ist dabei
weder Typologie, noch Serie. Die Künstlerin zeigt das Durchschnittliche,
Gewöhnliche und Banale, das Unbemerkte und das Übersehene,
das doch so sehr unsere Wahrnehmung unbewusst prägt.
Carmen Beckenbach, 2010
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